EinBeitragvonRigo_Toni

Arrrgh liebe Gemeinde,

manche von euch werden es schon aus der Lektüre bei unseren Kollegen vom HPD gelesen haben.

Da wollen wir, wie schon mehrfach vorher woanders, nun auch einen Evolutionsweg im Saterland sponsern und was passiert? Die CDU/FDP Fraktion lehnt das ab, obwohl der zuständige Fachausschuss vorher einstimmig dafür gestimmt hatte.

Was ist passiert?

Ich hatte das Projekt in meiner Gemeinde in einem Gespräch mit dem Bürgermeister angeregt. Am 18.05. erschien der erste Artikel in einer Lokalzeitung, der sehr positiv über das Vorhaben berichtete. Auch grundlegende Infos über die KdFSM wurden durch Zitate von unserer Website bereitgestellt.

Kurz danach erschien dann ein recht ausführlicher Artikel in einer anderen Lokalzeitung über die Kapelle „Zur Heiligen Nudel“, die ich letztes Jahr zu Ehren des Monsters und unserer Weltanschauung errichtet hatte. Und das war offensichtlich der Auslöser für ein paar Hardcore- Katholiken, sich völlig ablehnend gegen dieses Projekt EvoWeg zu stellen. Gott bewahre! (welcher eigentlich?)
Einen Leserbrief dazu trug zum Beispiel den Titel „Gotteslästerung und Verhöhnung der Gläubigen“. Ein christliches Ehepaar bringt da beides in unmittelbaren Zusammenhang. Sie gehen davon aus, die Gemeinde würde bei Umsetzung des Projektes Evoweg zum Fall für den Landesrechnungshof und zum Gespött der Nation werden.

„Dat hältst du nich für gloobste kaum“ hätte meine Großmutter gesagt. Wie sich herausstellte, ist einer der beiden Leserbriefschreiber ein ehemaliger Religionslehrer. Noch Fragen?

Infolge der massiven Intervention dieser beiden und einiger „Mitstreiter“ bei der CDU/FDP Fraktion des Gemeinderates wurde der Antrag für die Errichtung des EvoWeges in der entsprechenden Sitzung des örtlichen Verwaltungsrates abgelehnt (Die Fraktion hat die absolute Mehrheit hier.) Übrigens, sogar der Vorschlag, die Finanzierung durch die Gemeinde komplett zu übernehmen, fand keine Zustimmung der Mehrheitsfraktion.

Aber es wird noch besser:

Am 27.06. war ich darauf bei der öffentlichen Ratssitzung und fragte mal nach sachlichen Gründen für die Ablehnung. Also:

Erstens bestätigte der Vertreter der CDU/FDP Fraktion, dass es diese eigentlich nicht gäbe. Man sei nur dagegen, weil es Stimmen aus der Bevölkerung gegeben habe, die massiv dagegen seien, vor denen die Fraktion dann eingeknickt sei.
Soweit bekannt, waren das wohl deutlich weniger als 50 Personen, eher unter 20. Gerechnet auf die Bevölkerung im Saterland (ca 14.000 Einwohner) sind das, wenn wir mal die Kleinen weglassen, weniger als 0,5%. In der Physik wäre das wohl ein Messfehler. Bei der Prognose von Wahlausgängen liegt das innerhalb der Fehlergrenze (ca. 2-3%).

Zweitens hatte es die Fraktion auch nicht für nötig befunden, sich mal mit dem Initiator vorher in Verbindung zu setzen und Motivation, Hintergründe, Finanzierung und Realisierung zu besprechen oder zumindest was darüber in Erfahrung zu bringen, geschweige denn, mal zu ergründen, was denn so die Ziele und Inhalte unserer Weltanschauungsgemeinschaft sind. Und zu allem Überfluss wurde auch noch bestätigt, dass eigentlich kein Interesse daran besteht, wissenschaftliche belegte Information in unterhaltsamer Weise zu vermitteln. Nach Aussage des o.g. Leserbriefschreibers, die sich die Fraktion zu eigen gemacht hat, ist ja die Evolution bekannt und müsse deshalb nicht auch noch im Saterland verbreitet werden. Das sagt ein ehemaliger Lehrer. Ich denke, der hat seinen Bildungsauftrag nicht ganz verstanden. Was bin ich froh, dass er in Pension ist. Und drittens hatten wir auch vor, zusätzliche Informationen über QR-Codes in Saterfriesisch, der lokalen Sprache hier in der kleinsten Sprachinsel Europas, bereitzustellen. Das unterstützt die offizielle Politik der Gemeinde zur Förderung und dem Erhalt dieser Sprache. Auch das war es der CDU/FDP Fraktion offensichtlich nicht wert. Sie haben sich also gegen die Interessen der Gemeinde gestellt. Ist ihnen im Eifer wohl gar nicht aufgefallen. Nach meiner Einschätzung hatten sie einfach was dagegen, weil es nicht von ihnen selbst kam, weil paar extrem konservative Katholiken dagegen waren und sie einfach keine Ahnung hatten. Keine guten Voraussetzungen für qualifizierte politische Arbeit. Das „B“ in CDU steht offensichtlich für Bildung, das „T“ für Tourismusförderung der eigenen Gemeinde und das „S“ für Sprachförderung……

Nun ja, nachdem ich dann in zwei Artikeln auf die Ablehnung eingegangen bin, konnte es sich das gleiche Ehepaar, das schon schon den obigen Leserbrie verfasst hatte, es sich nicht verkneifen, leicht verschwörungstheoretisch zu reagieren. Der Evoweg wäre nur dazu da gewesen, die krude Weltanschauung des Spaghettimonstervereins zu verbreiten.

Das bedarf keines weiteren Kommentars. Irgendwie erinnert das an die Geschichte im Westerwald, über die sogar Extra3 berichtet hatte.

Auch der stellv. Sprechers der CDU/FDP Fraktion bestätigte, dass kein Interesse bestand, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Evolution in unterhaltsamer Form zu vermitteln. Zitat: “Es könne auch was anderes als der EvoWeg am Maiglöckchensee errichtet werden.“ Eine solche Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse kann es eigentlich nur geben, wenn diese durch religiöse Vorstellungen überlagert werden sollen. Das wäre ein desaströses Verständnis von Wissenschaft. Mit der Ablehnung zeigt die CDU/FDP Fraktion, dass sie offensichtlich Probleme damit hat, im 21. Jahrhundert die Verbreitung sehr gut belegter wissenschaftlicher Erkenntnisse zu unterstützen.
Und was soll ich sagen, kurz darauf finde ich doch einen kleine Notiz in der Presse, dass an der Stelle, wo der Weg errichtet werden sollte, eine Aktion für Kinder stattfinden wird: „Krümelkirche“ – ein Rundgang für Kinder, organisiert von er der kath. Kirchengemeinde. Titel: Gottes Segen auf all deinen Wegen. Da wäre ein solcher EvoWeg natürlich extrem störend und könnte ja zu unangenehmen Fragen führen.

Nun, wir haben ja weitere Projekte zum EvoWeg in der Pipeline. Und aufgrund dieses ganzen Presserummels hat sich der Bürgermeister einer Nachbarkommune bei mir gemeldet und gefragt, ob der Weg nicht bei ihm im Stadtpark angelegt werden könnte. Zwar erste nächstes Jahr, aber immerhin.

Also ihr seht, wir kommen voran, trotz manchmal etwas windiger See.

Ein paar zusätzliche Infos mit den entsprechenden Artikeln findet ihr hier. Da ist auch noch ein sehr schöner Kommentar einer Redakteurin, die das insgesamt in einen noch größeren Rahmen einordnet. Sehr lesenswert.