Bilder vermitteln Botschaften. Wenn mit diesem Bild von mir der Film „I, PASTAFARI: A FLYING SPAGHETTI MONSTER STORY“ beworben wird, könnte man vermuten, ich würde den Film bedingungslos empfehlen.
Das wäre die falsche Vermutung. Ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob es richtig war, mich an ihm zu beteiligen.

Angekündigt hatte Mike Arthur, der Regisseur, einen Dokumentarfilm. Das sind für mich Filme, die wertfrei tatsächliches Geschehen wiedergeben und bei denen die Meinung des Regisseurs nicht mit einfließt. Anfänglich schien es auch so zu sein, doch irgendwann hat sich das geändert. Mike scheint über die Arbeit an seinem Film zu seiner eigenen Interpretation des Pastafaritums gefunden und diese in der Vordergrund gerückt zu haben.

Er schreibt mir über seinen Film:
„Am wichtigsten aber war Mienkes Aussage am Ende des Films, die meiner Meinung nach den Zweck des Films und meine Interpretation des Zwecks des Pastafaritums am besten zusammenfasste: „Ein Sieb trennt das Wichtige vom Unwichtigen (die Nudeln vom Wasser)“, sagt sie im Film, und dann am Ende „muss man das Gute festhalten und das Schlechte weggleiten lassen“. Meine Interpretation des Pastafariatums ist, dass es in gewisser Weise ein Aufruf an die Religionen ist, sich zu entwickeln, an den guten Dingen festzuhalten (Nächstenliebe, Gemeinschaft, kulturelles Erbe) und die schlechten Dinge entwischen zu lassen (Bigotterie, Ignoranz, Hass usw.)…..

….Ich wünsche mir sehr, dass sich gemäßigte religiöse Menschen den Film ansehen und die Botschaft des Films aufnehmen… denn wozu sonst sollte man ihn machen? ….“

Vielleicht um seine Interpretation zu unterstreichen, hat Mike sogar eine Szene gestellt. Niko Alm, der Erfinder des Nudelsiebs, ist dort mit einem solchen auf dem Kopf im österreichischen Parlament zu sehen. Außer für diesen Dreh gab es das nie.

Aus diesen Gründen sehe ich den Film nicht als Dokumentarfilm. Hätte ich am Anfang gewusst, dass besonders ein moderaten Gläubigen gefälliges Pastafaritum ins Zentrum gerückt wird, hätte ich mich sicher nicht mit beteiligt.

Das Pastafaritum wie es Mienke und nun auch Mike vertreten, hat durchaus auch seine Berechtigung. Aber es ist halt ein absolut anderes als das, was unsere Kirche vertritt. Wir wollen Religion nicht entwickeln, wir wollen ihren Einfluss auf die Gesellschaft, schon allein wegen ihrer Dogmen, verhindern oder zumindest auf ein Minimum reduzieren. Dogmen sind Denkverbote und Denkverbote verhindern gesellschaftliche Entwicklung.

Das kommt mir im Film zu wenig vor und ich fühle mich ein bisschen wie jemand, der für gute Bilder zuständig war, während die Botschaft unterging.

Das ist natürlich mein ganz persönliches Empfinden und bei euch könnte das ganz anders sein.

Der Film ist, bei all meiner Kritik, durchaus sehenswert. Wenn der Guardian schreibt “Smart, funny but above all thought provoking” trifft das ziemlich gut. Und wer mit Englisch gut klar kommt, kann das auch erkennen. Der Film ist in Originalfassung in Niederländisch, unterlegt mit englischen Untertiteln, Englisch und Deutsch. Da werdet ihr die Untertitel nicht brauchen.

Den Film anzusehen kostet 4,50 Euro, den Trailer zum Film gibt es kostenlos.

Und hier werdet ihr fündig: I, PASTAFARI: A FLYING SPAGHETTI MONSTER STORY