Während andere in Massen Gläubige verlieren, geht die Kunde vom Fliegenden Spaghettimonster immer weiter um.

Oft haben die Menschen dann Fragen und wenden sich vertrauensvoll an unsere Kirche. Ich freue mich immer sehr über solche Fragen, zwingen sie doch, sich mit ihnen intensiv auseinander zu setzen um die richtigen Antworten zu finden.
So bringen die nicht nur den weiter, der die Antworten bekommt, sondern auch mich.

Ganz besonders freut mich, wie unsere Monster in die Schulen einzieht, und das ganz ohne Religionsunterricht. Oft sind es Schüler, die einen Vortrag oder ähnliches über das Pastafaritum halten und so zu Multiplikatoren in ihren Klassen werden.

Jetzt hat mich sogar ein Anfrage aus dem Ausland erreicht. Diese und die Antworten möchte ich euch nicht vorenthalten

Sehr
geehrter Herr Weida,

mein Name ist Adrian ** und ich
besuche die 6. Klasse einer Kantonsschule in der Schweiz. Ich arbeite zurzeit
an meiner Maturaarbeit (so etwas wie
eine Abiturabschlussarbeit in
Deutschland) zum Fliegenden
Spaghettimonster.  Mir geht es, unter
anderem, darum herauszufinden, ob es
sich dabei wirklich um eine Religion
handelt?

Natürlich war ich bereit, zu helfen und habe dann von Adrian folgende Fragen bekommen (inzwischen hatte ich ihm gesagt, dass sich Piraten nicht mit „Herr“ anreden.)

Wie
bist du auf das FSM gestossen?

2005 in einem Artikel im Spiegel
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/pastafarians-mein-gott-ein-nudelmonster-a-370849.html

Was löste bei dir eine solche Faszination aus?
 
Die einzigartige Möglichkeit, Spaß und Freude mit
sinnvollem Engagement zu verbinden und gesellschaftlich
aktiv zu werden.

Wie viele Stunden investieren du pro Woche in das FSM?
 
Sehr unterschiedlich. Im Normalfall 3-5 Stunden, in Stoßzeiten bis zu 30 stunden und in Extremfällen, z.B. bei unserer Nudeltour, rund um die
Uhr.

Glaubst du, dass das fliegende
Spaghettimonster, als Gottheit, wirklich existiert?
 
Selbstverständlich. Allerdings sind wir
Pastafari zu ständigem Zweifel verpflichtet. Wir müssen
an allem zweifeln, selbst an Seiner Existenz. Deshalb
sind wir immer gleichzeitig Gläubige und Atheisten.

Auf eurer Website behauptet ihr, dass
die Kirche des FSM eine gleichberechtigte Religion
sei. Was sind dann deiner Meinung nach die Kriterien
für eine Religion?

Das ist nur auf unsere eigene Kirche des FSM
Deutschland bezogen. In Österreich und der Schweiz würde
ich das nicht so sehen, da es dort keine gemeinsamen
Riten und Traditionen gibt und kein aktives
Gemeindeleben. Allerdings sehen wir uns selbst gar nicht
als Religions-, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft
und fordern als solche unsere Gleichberechtigung.

Zur Religion gehört Glauben an ein überirdisches Wesen,
gemeinsame Wertvorstellungen, gemeinsame Riten und
Traditionen.
Sieh dir dazu mal dieses Video an
http://youtu.be/IRMeWP8cTAw?list=UUqDjel-toUoOQxQ-9bLnyHA

Darauf hin kamen noch einige Nachfragen:

Du behauptest gleichzeitig Gläubiger und Atheist zu sein. Dies ist aber per Definition nicht möglich, denn ein Atheist verneint die Existenz, sowie die Möglichkeit, dass es einen Gott gibt, von dem man bis jetzt noch nichts weiss. Wenn ich dich richtig verstehe wärst du Agnostiker. Ist das richtig oder habe ich deine Antwort falsch verstanden?

Nein, für mich sind Agnostiker nur zu feige, sich zu entscheiden. Man erklärt sich ja auch gegenüber dem Weihnachtsmann, der Zahnfee, Elfen, Trollen und anderen Fabelwesen nicht zum Agnostiker. Warum also dem Fabelwesen Gott eine Sonderrolle zubilligen?

Ich lebe praktisch in zwei Welten gleichzeitig: einmal gläubiger Pastafari, einmal starker Atheist.

Ihr seht euch selbst nicht als Religion, erfüllt aber alle von dir genannte Kriterien für eine Religion. Ihr behauptet ihr seid eine Weltanschauungsgemeinschaft, eine Weltanschauungsgemeinschaft ist aber eine Gemeinschaft, die sich die Pflege einer nichtreligiösen Weltanschauung zur Aufgabe macht. Ist es nicht ein Widerspruch, dass ihr euch als nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaft bezeichnet, aber alle Kriterien für eine Religion erfüllt?
Wir behaupten nicht, eine Weltanschauungsgemeinschaft zu sein, wir sind eine. Das ergibt sich schon klar aus unserer Satzung, siehe Satzungsziel.  http://www.pastafari.eu/Verein/kdfsmsatzg110611.pdf

Daran ändert sich für uns nichts, wenn andere das anders sehen.
Vielleicht ist einfach die Definition von Weltanschauungsgemeinschaft falsch?
Für uns sind Religionsgemeinschaften nur eine Unterform der Weltanschauungsgemeinschaften.

Du hast dich gegen das Tragen von einem Spaghettisieb geäussert, da im Evangelium das Tragen von Piratenklamotten empfohlen wird. Du selbst trägst aber an religiösen Handlungen immer wieder eine Robe die nicht gerade auf den ersten Blick an Piratenkluft erinnert. Wiedersprichst du dir da nicht?

Im Evangelium wird nicht Piratenoutfit empfohlen, sondern gefordert: „Außerdem zeugt es von mangeldem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen – die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun.“

Das Nudelsieb ist eine auf völliger Unwissenheit über das Pastafaritum in Österreich entstandene Unsitte. Niko Alm, der kein Pastafari war aber schon mal was vom Monster gehört hatte, hat sich, um gegen Kirchenprivilegien zu protestieren, einfach was auf den Kopf gesetzt, was ihm so einfiel.
Für uns ist das Nudelsieb Blasphemie. Wir sollen Piraten sein, keine Geschirrständer.

Das Gewand des Nudlers ist, wie die ganze Messe, der katholischen Messe nachempfunden. Alle Religionen  haben mal von anderen geklaut. 🙂 Der Auftrag des Monsters wird durch die Kopfbedeckung genügend berücksichtigt. Die ist, vor allem auch durch den Jollyfish, durchaus piratig.


Danach kam noch eine letzte Nachfrage:

Ist das
Zweifeln und Hinterfragen für die Pastafaris letztlich
wichtiger als das Glauben? Oder anders gefragt – ist
das eigentliche Ziel des Pastafarismus in erster Linie
das  in Frage stellen von (anderen) Religionen und
ihren Lehren?

Gut erkannt. Mit einem Abstrich. Es geht nicht darum,
andere Religionen in Frage zu stellen, sondern
grundsätzlich alles. Für uns sind Dogmen das Übel, das
gesellschaftliche Entwicklung hemmt. Die
abrahamitischen Religionen sind natürlich besonders
mit Dogmen besetzt und deshalb und wegen ihrer
Privilegien besonders im Fokus, aber das gilt auch für
andere Weltanschauungen, in denen es unhinterfragbare
Wahrheiten gibt bzw. das Nachfragen nicht erlaubt ist
und einfach einem Führer/Gott gefolgt werden soll. 

In der
Satzung eures Vereins ist das Spaghettimonster nur
kurz erwähnt. Bedeutet das, dass es gar nicht zentral
ist? Könnte es auch eine beliebige andere Gottheit
sein?

Nein, könnte es nicht. Alle anderen Gottheiten
sind eben nicht hinterfragbar. Diese Pflicht zum Zweifel
bietet nur das FSM und sein Pastafaritum.
Wir sind im Übrigen gerade dabei, unsere Satzung zu
überarbeiten und das Monster mehr zu würdigen.