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Das Wort zum Freitag -
Für einen weltlichen Feiertag!

30.01.2018


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Deutschland geht es ungerecht zu. Diese Ungerechtigkeit verteilt sich oft nach einem Nord-Süd-Gefälle, nicht nur beim Wohlstand.

So hat Augsburg im Jahr glatte 5 Feiertage mehr als Hamburg.

 

Es ist also völlig verständlich, wenn Hamburg und andere Nordländer das ändern möchten. Ja, es sollten sogar noch mehr Länder werden, die das tun.

Völlig unverständlich ist allerdings, wenn in Zeiten stetig wachsenden Bedeutungsverlustes der Religion das Feiertagsungleichgewicht ausgerechnet mit einem Reformationstag etwas ausgeglichen werden soll.

 

Wer das schon jetzt auch so sieht, egal ob aus Hamburg oder nicht, sollte gleich diese

 

 Onlinepetition unterzeichnen!

 

Die Zeit eilt, bereits am 28. Februar will die Hamburger Bürgerschaft abstimmen.

 

Um die unsinnige Lutherlobhudelei noch zu verhindern und einen Feiertag zu finden, der allen Bevölkerungsschichten gerecht wird, hat sich ein Hamburger Bündnis formiert. Zu den Mitgründern gehört auch unsere Kirche, die in die Liste der Gegenvorschläge für einen weltlichen Feiertag den Internationalen Darwintag mit eingebracht hat.

 

Hier unser gemeinsamer offener Brief.

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin der Bürgerschaft, 

sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister, 

sehr geehrte Senatorinnen und Senatoren, sehr geehrte Abgeordnete, 

 

die Bürgerschaft möchte am 28. Februar über einen neuen gesetzlichen Feiertag abstimmen. Mit  Besorgnis  mussten  wir  zur  Kenntnis  nehmen,  dass  sich  die  Ministerpräsidenten  und ürgermeister der Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg in einer Sondersitzung der Konferenz Norddeutschland am Donnerstag, den 31. Januar 2018 in Berlin für den Reformationstag am 31. Oktober aussprachen. 

 

Sechs christliche Feiertage sind bereits im Kalender verankert. Unser Bündnis lehnt einen weiteren christlichen Feiertag ab und fordert stattdessen die Einführung eines weiteren weltlichen Feiertages für alle Bürgerinnen und Bürger. 

 

Zunächst begrüßen wir die Entscheidung, das Gesetz über Sonntage, Feiertage, Gedenktage und Trauertage (Feiertagsgesetz) vom 16. Oktober 1953 dahingehend zu ändern, dass ein weiterer Feiertag aufgenommen wird, um das Ungleichgewicht in der Arbeitszeitgerechtigkeit zwischen Süddeutschland und Norddeutschland zu kompensieren. Eine länderübergreifende Lösung für alle nördlichen Bundesländer ist schon wegen der zahlreichen Pendler und grenz-

überschreitenden Schüler anzustreben. 

 

Wir  meinen,  eine  konfessionsgebundene  Entscheidung  muss  mindestens  ohne  Fraktionszwang erfolgen und weisen darauf hin, dass die Abgeordneten gemäß Artikel 7 der Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg „Vertreterinnen und Vertreter des ganzen Volkes“ sind.  

 

Ein neuer Feiertag sollte eine möglichst große Akzeptanz bei den Menschen erfahren. Es bietet sich  jetzt  eine  einmalige  Chance,  die  Hamburgerinnen  und  Hamburger  im  Rahmen  eines öffentlichen  Beteiligungsprozesses  in  die  Entscheidung  einzubeziehen.  Die  Beteiligung könnte, aber muss nicht zwingend über einen „Volksentscheid“ stattfinden. Gerade bei der Entscheidung  über  einen  neuen  Feiertag  kämen  auch  andere  spannende  Beteiligungsverfahren, wie etwa die Stadtwerkstatt Hamburg, in Frage. 

        

 

Es  mag  sein, dass die  Reformation  für  die Gemeinde der evangelischen  Christen  von herausragender  Bedeutung  ist.  Im  Hinblick  auf  die  seit  Jahren  kontinuierlich  sinkenden  Mitgliederzahlen  ist  die  Etablierung  eines  evangelischen  Feiertages  im  pluralistischen  und freiheitlich-demokratischen Hamburg  von  2018,  in dem über  100  verschiedene Glaubensrichtungen mit Konfessionsfreien friedlich zusammenleben, geradezu anachronistisch. 

  

Der Reformationstag ist ein rein evangelischer Feiertag und keineswegs für das ganze Volk. Die beiden  evangelisch-lutherischen  Kirchenkreise  zählten  2016  nach  eigenen  Angaben zusammen  ca.  650.000  Mitglieder.  Ende  2016  waren  in  Hamburg  1.860.759  Einwohner gemeldet.  Somit  repräsentieren  Evangelisch-Lutheraner  lediglich  ein  knappes  Drittel  der Hamburger. Für die Mehrheit, alle anderen Glaubensgemeinschaften und Konfessionsfreien der  Freien  und  Hansestadt  Hamburg,  ist  der  bei  Historikern  ohnehin  umstrittene  Thesenanschlag Luthers nur von geringer Bedeutung. 

 

Die  Berufung  auf  einen  enormen  positiven  gesellschaftlichen  Impuls  der  Reformation  ist historisch nicht haltbar. Die Reformation wäre etwa ohne den Humanismus, die Erfindung des Buchdruckes,  den  Aufstieg  des  finanzstarken  Bürgertums  und  die  Auflehnung  der  Fürsten gegen Papst und Kaiser nicht möglich gewesen. Luther war unbestritten eine bedeutende Persönlichkeit, doch seine Rolle wird von der Kirche überhöht. Die auch in seiner Verantwortung stehende Spaltung der Kirche hatte zudem verheerende Folgen, die sich bis heute auswirken. 

Vor allem angesichts der 400. Jährung des Prager Fenstersturzes am 23. Mai, der unter der Dynamik des Konfessionsstreits zum grausamen Dreißigjährigen Krieg führte und geschätzten 6-7 Millionen von 18 Millionen Deutschen das Leben kostete, ist die Huldigung der Kirchenspaltung nach unserem Ermessen durchaus zynisch. 

 

Selbst wenn Luthers Schriften im historischen Kontext betrachtet werden müssen, sind seine antisemitischen und antimuslimischen Entgleisungen – allen voran seine Schriften „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543) und „Vom Kriege wider die Türken“ (1528) – nicht hinnehmbar, da sie Gefühle der heute lebenden Juden und Muslimen verletzen.  

 

In der Plenarsitzung vom 11. Oktober 2017 wird Hamburg als „Hauptstadt des interreligiösen Dialogs“ hervorgehoben. Damit sei der Reformationstag, obwohl wie beschrieben ein klarer Trennungsakt,  „Brückenschlag  zwischen  den  Religionen”.  Mindestens  die  Hälfte  der  Hamburger Bürger ist konfessionsfrei und wird mit einem „interreligiösen Dialog“ vollkommen außen vor gelassen. Dass ausgerechnet Luther den Grundstein eines säkularen Staates gelegt haben soll, entspricht nicht den Tatsachen. Humanismus und Aufklärung werden kurzerhand aus der Geschichte getilgt. Für viele Konfessionsfreie lässt sich Ethik nicht aus der Religion oder 

gar der Reformation herleiten. Der Reformationstag ist für den inter-weltanschaulichen Dialog nicht geeignet. 

 

Ohne die Bedeutung der ev.-luth. Kirche schmälern zu wollen, deren Engagement für die Stadt wir  durchaus  anerkennen,  lehnen  wir  den  Reformationstag  als  weiteren  konfessionellen Feiertag aus oben genannten Gründen entschieden ab.  

 

Erfreulicherweise werden in der Bürgerschaft bereits Alternativvorschläge diskutiert. Im Prinzip akzeptieren wir jeden weiteren säkularen Feiertag. Wir möchten die Diskussion um eigene Vorschläge bereichern (in chronologischer Reihenfolge):  

 

12. Februar  „Internationaler Darwin-Tag“ (Geburtstag v. Charles Darwin 1809) 

8. März:    „Tag der Frauenrechte und des Weltfriedens“ (UN)  

8. Mai:    „Tag der Befreiung“ (Kapitulation Nazideutschlands 1945) 

9. Mai:    „Europatag“ (Schuman-Erklärung 1950) 

23. Mai:   „Tag der Grundrechte“ (Dreißigjähriger Krieg 1618 / Grundgesetz 1949) 

1. Juni    „Kindertag“ (UN) 

1. November:  „Europatag“ (1993 Maastricht-Verträge) 

4. November:  „Tag der Menschenrechte“ (Europäische Menschenrechtskonvention 1950);  

9. November:  „Tag der Erinnerung“ (Republik 1918, Pogromnacht 1938, Mauerfall 1989);  

20. September:  „Weltkindertag“ (BRD Resolution 1954) 

10. Dezember:   „Tag der Menschenrechte“ (AEMR der UN 1948) 

 

Kommt es zu einem Entscheid für den Reformationstag mit Privilegierung der ev.-luth. Kirche, würden die Mitglieder der anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften einseitig und ungerecht übergangen. Wir protestieren gegen diese einseitige und gegen den Geist unserer demokratischen Verfassung verstoßende Bevorzugung einer einzelnen Religion. Statt eines Feiertags, der nur zur weiteren Spaltung der Gesellschaft führen kann, fordert dieses Hamburger Bündnis die Einführung eines offiziellen Gedenktages, der eher geeignet ist die Menschen zusammenzuführen und zu vereinen. 

 

Die  kulturell  vielschichtige  Stadt  Hamburg  sollte  sich  nicht  allein  auf  ihre  christliche Vergangenheit berufen, sondern selbstbewusst auf ihre wachsende Bedeutung als weltoffene europäische Metropole verweisen. Ein weiterer säkularer Feiertag für alle Hamburgerinnen und Hamburger, der die Grundwerte des friedlichen Zusammenlebens hochhält, könnte zur Versöhnung  der  Kulturen  beisteuern  und  die  Bürgerinnen  und  Bürger  für  die gesellschaftsrelevanten  Themen  Inklusion,  Europa  und  Globalisierung  sensibilisieren.  Wir bitten Sie daher, unsere Gedanken und Empfehlungen gewissenhaft in Ihre parlamentarischen Überlegungen einzubeziehen. 

  

Gezeichnet 

Hamburger Bündnis für einen weltlichen Feiertag:

 

 

 

Und wer es bisher noch nicht getan hat, sollte spätestens jetzt unsere

 

Petition zeichen.

 

Auch, wenn ihr nicht aus Hamburg kommt!

 



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